Habt Ihr schon einmal von “Neuromerchandising” gehört? Bis vor ein paar Tagen kannte ich diesen Begriff  bzw. diese Bezeichnung nicht. Auf diesen bin ich ganz zufällig über die Facebook-Seite des Frankfurter Unternehmens “neuromerchandising group”  gestoßen.

Was ist Neuromerchandising - ThinkNeuro!Abbildung: Was ist Neuromerchandising? (Quelle: nmgtv, Emotionalisierung von Verkaufsräumen)

Da mich alles Rund um das Thema Neuromarketing interessiert, habe ich natürlich etwas geforscht und mich näher mit dem Thema Neuromerchandising auseinandergesetzt. Hierbei habe ich auch interessante Videos gefunden, die ich Euch gerne vorstellen möchte. In diesen wird u.a. erklärt, dass sich hinter dem Begriff Neuromerchandising die Emotionalisierung von Verkaufsräumen verbirgt.

Nachdem ich mir die Videos angeschaut habe, stellte sich bei mir allerdings die Frage, wo Neuromerchandising nun eingeordnet werden kann. Meiner Meinung nach kann es zum Neuromarketing und multisensorischem Marketing gezählt werden, da es hier um die Emotionen als auch um die Sinne des Menschen und deren Integration im stationären Handel geht. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob bei Neuromerchandising auch auf den Online-Handel eingegangen wird.

Daher habe ich mich erneut auf die Suche nach weiteren Informationen zu diesem Thema begeben. Ergebnis: Ein Interview zum Thema Neuromarketing und Neuromerchandsing, bei dem ich glaube herausgelesen zu haben, dass sich Neuromerchandising primär auf den stationären Handel also den PoS (Point of Sale) konzentriert. Hier ein Auszug aus dem Interview mit Achim Fringes (selbstständiger Unternehmensberater, Coach und freier Autor):

…”Sie erweitern das Thema um den Begriff Neuromerchandising. Können Sie uns erläutern, wo die Unterschiede zu Neuromarketing liegen?

Achim Fringes: Braucht die Welt wirklich ein neues Wort? Ob es die Welt braucht, weiß ich nicht, aber ich habe es gebraucht, um mich aus Erklärungsnöten zu befreien. Zu oft bin ich gefragt worden, was ich den eigentlich mache und wie das genannt wird.

Dieses neue Wort ist ein zusammengesetztes Wort aus zwei Dingen, die so zusammengesetzt neu sind. Dass dies neu ist, beweist zu einem Teil das Patentamt in Berlin, zum anderen eine Instanz, die namentlich als Google bekannt ist: Als ich anfing „Neuromerchandising“ zu benutzen, gab es dieses Wort noch nicht; das hat sich mittlerweile geändert.

Nun habe ich dieses Wort nicht entwickelt, weil ich ein neues Wort erfinden wollte, so wie es viele tun, die sich unzählige Internet-Adressen schützen lassen, ohne zu wissen, was sie jemals bedeuten sollen. Nein, mein Antrieb lag einfach darin, eine Bezeichnung zu finden für das, was ich jeden Tag tue.

Mein erlernter Beruf ist Lebensmittel-Einzelhandelskaufmann. Vieles in meiner alltäglichen Arbeit hat mit diesen Beruf zu tun, obwohl Lebensmittelhandel heute nur ein kleiner Teil meiner Tätigkeit ist. Viele meiner Neuromerchandsing-Ideen sind ja in einem Lebensmittelmarkt bereits umgesetzt worden. Meine Tätigkeit hat sich in den gesamten Handel verlagert.

Dabei bezeichne ich all die Orte als „Handel“, an denen der Kunde auf Anbieter trifft. Auch Dienstleistung ist für mich Handel, gleich wo und an wen ich etwas verkaufe oder weitergeben möchte. So ist es aus meiner Sicht erst einmal völlig unbedeutend, was ich nun verkaufen möchte, sei es ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Idee. Auf den ersten Blick erscheint es etwas völlig anders zu sein, ob ich ein U-Boot, ein Unternehmen, ein Programm zur Steuerung einer Fräsmaschine, einen neuen Zahn, eine Beratung oder eine Tüte Zwieback verkaufen möchte.

Bei genauerer Betrachtung muss man aber feststellen, dass im Grunde alles wieder auf ein bestimmtes Grundprinzip zurückgeführt werden kann: auf das Prinzip, dass Menschen Entscheidungen treffen müssen, dieses zu tun oder jenes zu lassen, dieses zu kaufen und jenes eben nicht. Hierbei stellt man fest, dass auf dieser Ebene nicht entscheidend ist, was ich verkaufe oder kaufe, sondern was im Kopf der Verkäufer und was im Kopf des Käufers vorgeht.

Der Begriff „Merchandising“ kommt aus dem angloamerikanischen Sprachraum. Einigkeit im praktischen Bereich herrscht soweit, dass Merchandising als ein Teil von Marketing-Aktivitäten aufgefasst wird, bei dem versucht wird, unter anderem Markierung, Produktgestaltung, Verpackung des Produkts so zu bestimmen, dass Umsatz geschaffen oder beschleunigt wird. Merchandising wird auch als eine der modernsten Methoden zur Erhöhung des Absatzes von Waren und Dienstleistungen bei potenziellen Verbrauchern bezeichnet.

Für mich stellt Merchandising etwas mehr dar als allein einen Teil des Marketings. Es ist der Kontext von Produkt oder Dienstleistung mit dem Ort, der Art der Darbietung, der Art der Informationsübermittlung (z.B. Sprache) und den Wahrnehmungen des Kunden, aber auch der Kontext zwischen dem Produkt oder der Dienstleistung und dem Händler oder Verkäufer als Person. Einfach ausgedrückt: all die Dinge, die Menschen mit Ihren Sinnen aufnehmen, bevor und in dem Moment, in dem sie mit meinem Produkt, meiner Dienstleistung und meiner Marke in Berührung kommen.

Diese Art des Handels und des Verkaufens hat eine lange Tradition. Der Umgang mit Kunden, welcher Art auch immer diese Kunden sind, ob es der so genannte Endverbraucher oder der B2B-Kunde ist, ist so alt wie der Handel selbst, also sehr alt. Bevor es feste dörfliche Strukturen gab, wurde schon Handel betrieben; so sollte man meinen, dass es nun eigentlich nichts Neues geben dürfte. Doch das ist nicht so…”

Quelle: invidis, Achim Fringes im Interview

Das vollständige Interview kann bei invidis gelesen werden.

Nach dem kurzen Auszug des Interviews stelle ich nun noch abschließend die Frage:
Liege ich mit meiner Vermutung richtig, dass sich Neuromerchandising primär auf den PoS konzentriert oder gibt es andere Meinungen hierzu? Ich bin mir nämlich noch nicht so ganz sicher…




 
 

Über die Autorin

Autorin von ThinkNeuro! ist Olivia Shepherd. Innerhalb ihres Blogs beschäftigt sie sich mit nahezu allen Facetten des Neuromarketings, der Usability sowie der User Experience. Derzeit ist sie als Usability & UX Consultant bei einer Online-Agentur tätig.