Vergangene Woche habe ich mir die Zeit genommen, um das Zusammenspiel meiner Sinne einmal selbst zu erleben. Hierfür besuchte ich das sogenannte Centre d´Ambiance (CDA), welches von der Firma Air Creative AG entwickelt wurde und im Büro des Frankfurter Unternehmens neuromerchandising group zu besichtigen war. Mein Ziel war es, einmal vollständig bewusst zu erleben, wie es ist, wenn mehrere Sinne gleichzeitig miteinander harmonieren und wie ich reagiere, sobald ein Sinn bei dieser Konstellation völlig aus der Reihe tanzt. Kurz gesagt: Ich wollte bei ThinkNeuro! nicht einfach nur über das Thema Multisensorik berichten, sondern auch mal selbst ein multisensorisches Erlebnis durchleben. Daher hat es mich auch sehr gefreut, dass sich die neuromerchandising group die Zeit genommen hat, um mir das CDA persönlich vorzuführen.

Doch was ist das Centre d´Ambiance eigentlich?

Ein Besuch im Centre d´ Ambiance der Air Creative AG - ThinkNeuro!

Nun, im Centre d´Ambiance wird versucht, das erlebbar zu machen, worüber wissenschaftliche Untersuchungen aus aller Welt immer wieder berichten: Und zwar wie wertvoll unsere Sinne in Form von Marketinginstrumenten im Point of Sale (POS) sein können! Je mehr Sinne gleichzeitig angesprochen werden, desto stärker werden die hierüber aufgenommen Informationen im Gehirn verankert (= Erinnerungsvermögen steigt), sowie bestimmte Handlungen des Menschen positiv beeinflusst.  Macht man sich nun diese Kenntnis im POS zu Nutze, so kann in Verkaufsräumen das Wohlbefinden gesteigert, die Verweildauer erhöht und das Kaufverhalten/die Emotionen positiv beeinflusst werden. Genau dies, dass Zusammenspiel mehrere Sinne, wird im CDA erlebbar gemacht. Dabei wird anhand von praktischen Beispielen aufgezeigt, was durch multisensorische Kommunikation machbar ist, wie diese wirkt und wie sich die verschiedenen Sinne gegenseitig beeinflussen. Im Vordergrund steht hierbei das Arbeiten mit Farben, Musik und Düften.

ThinkNeuro! im Centre d´Ambiance

Sinneserlebnis 1

“Bitte nehmen Sie doch im CDA Platz”. Mit diesem Satz begann meine kleine multisensorische Erlebnistour. Gespannt blickte ich auf eine Leinwand mit einer Waldlandschaft. Kurze Zeit später war das Centre d´Ambiance dann auch schon von einem sanften Blauton umgeben. Gleichzeitig begann ich den Duft von Lavendel wahrzunehmen, sowie die scheinbar perfekt darauf abgestimmte, wenn auch eher ruhige, musikalische Untermalung. Alles stimmig, wie ich fand. Auch als ich meine Augen schloss, schien alles noch immer perfekt aufeinander abgestimmt zu sein. Während ich meine Augen geschlossen ließ, sollte ich auch versuchen, mich zu entspannen. Doch irgendwie hatte das nicht funktioniert. Trotz angenehmen Ambiente konnte ich mich nicht wirklich entspannen. Also konzentrierte ich mich einfach darauf, meine Augen geschlossen zu halten. Plötzlich empfand ich aber für ganz kurze Zeit das Gefühl, dass irgendwas nicht mehr “stimmig” zu sein schien. Irgendwas war anders. Aber was? Die Antwort bekam ich kurz nachdem ich meine Augen wieder öffnete. Die Farbe innerhalb des CDAs wurde geändert. Und genau diese Veränderung hatte ich wahrgenommen, obwohl ich meine Augen geschlossen hatte. Dies fand ich wirklich sehr interessant. Trotz geschlossener Augen hatte ich diese Veränderung gespürt und gemerkt, dass sie nicht mehr mit den anderen Sinnen harmonierte.

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Sinneserlebnis 2

Weiter ging es mit der Farbe Rot. Während das CDA nun von einem sehr intensiven Rotton umgeben war, änderte sich gleichzeitig die Musik von einer ruhigen zu einer eher “erweckenden” Stimmung. Der Duft, den das Centre d´Ambiance nun umgab, war sehr dominant. Durch diese aufeinander abgestimmten Sinnesreize wurde eine Art Bar- oder sogar auch Clubstimmung erzeugt. Man hatte das Gefühl bekommen, aktiv werden zu müssen und etwas zu unternehmen. Auch hier wurde mir dann aufgezeigt was passiert, wenn ein Sinn aus der Reihe tanzt. Beispielsweise durch das Ändern der Musik. Wie zuvor, merkte ich auch hier gleich, dass irgendwas nicht mehr stimmte. Das, was ich gesehen und gerochen hatte, passte einfach nicht mehr mit dem zusammen, was ich hörte. Auch war der Drang, aktiv werden zu müssen, nicht mehr vorhanden. Meine Begeisterung für das Zusammenspiel meiner Sinne und den CDA wurde immer größer. Doch an dieser Stelle war noch nicht Schluss!

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Sinneserlebnis 3

Langsam nahm ich den Duft von frischer Pfefferminze war. Auch die Umgebung hatte sich von einem kräftigen Rotton zu einem weichen Grün geändert. Gleichzeitig wurde auch die Musik deutlich langsamer, man könnte auch sagen “entspannend”. Ich ließ diese räumliche Inszenierung ebenfalls erst einmal auf mich wirken. Es fühlte sich sehr angenehm an. An dieser Stelle wurde ich wieder gebeten, meine Augen zu schließen und den Versuch zu starten mich zu entspannen. Und siehe da! Diesmal war es kein Problem. Schon nach relativ kurzer Zeit fühlte ich mich sehr entspannt und vor allem auch wohl. Aber warum war mir dies in dieser Farb-Duft- und Musikzusammenstellung gelungen, bei der Konstellation mit dem Blauton, dem Lavendel-Duft und einer ebenfalls sehr langsamen musikalischen Untermalung jedoch nicht? Nun, der Duft von Lavendel wird nicht unbedingt mit Entspannung assoziiert, sondern in den meisten Fällen mit beispielsweise Omas Kleiderschrank. Daher macht dieser Duft das vollständige Loslassen und Entspannen etwas schwer. Der Duft von Pfefferminze wird hingegen in vielen Bereichen eingesetzt, bei denen es um Entspannung und das Erzeugen von Wohlbefinden geht, beispielsweise bei Entspannungsbädern. Gleiches gilt auch mit der Farbe Grün. Diese hat eher die positive Belegung von “Entspannung” als die Farbe Blau. Da brauche ich nur auf das Beispiel mit den Entspannungsbädern zurück zu kommen. Diese sind nahezu immer grün gefärbt. Aber ein ganz wichtiger Grund für das mögliche Entspannen bei der dritten Konstellation hatte mit der Musik zu tun. Bei genauerem Hinhören war zu erkennen, dass ein Ton in regelmäßigen Abständen immer wieder wiederholt wurde und er dadurch an den menschlichen Herzschlag erinnerte. Allein schon dieses Hören des simulierten Herzschlages führte unbewusst dazu, dass ich anfing langsamer zu atmen bzw. mich dem Rhythmus der Musik anzupassen. Das nun kombiniert mit dem Duft von Pfefferminze und dem grünen Raum führte bei mir letztendlich dazu, dass ich mich entspannen konnte.

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.Sinneserlebnis 4

Abschließend erstrahlte das Centre d´Ambiance in einem sommerlichen Gelbton, gefolgt von einem Zitrus-Orangen-Duft und einer darauf abgestimmten musikalischen Begleitung, die weder langsam noch schnell war. Sie passte einfach vollkommen zur Waldlandschaft, dem Duft und dem mich umgebenden Gelbton. Von einer Sekunde auf die andere fühlte ich mich wie an einem dieser tollen Sommertage, wo man an der frischen Luft ist, die Sonne einen ins Gesicht strahlt und man einfach dieses Gefühl von Wohlbefinden und Zufriedenheit mit sich und der Umgebung hat. Ich bin sicher, Ihr kennt dieses Gefühl auch. Ich fing dann auch direkt an zu lächeln und ein Gefühl von Wohlbefinden und Zufriedenheit nach außen hin zu transportieren. Dies war mir aber zunächst nicht bewusst, sondern erst, als ich hierauf aufmerksam gemacht wurde.

Fazit:

ThinkNeuro! ist nun vollkommen davon überzeugt, dass die richtige und vor allem auch aufeinander abgestimmte Stimulierung unserer Sinne einen Einfluss auf unsere Emotionen, unser Verhalten und unsere Entscheidungen hat! Ich kann wirklich jedem empfehlen, selbst einmal das Zusammenspiel unsere Sinne im CDA zu testen. Vor allem denjenigen, die dem Thema Neuromarketing und multisensorisches Marketing noch sehr skeptisch gegenüber stehen.

Mit dieser Erkenntnis sowie einem Lächeln im Gesicht dank dem letzten Sinneserlebnis im CDA verabschiedete ich mich vom Centre d´ Ambinace und einer wirklich sehr interessanten Einführung in die Welt der Multisensorik.

Vielen Dank noch einmal an die neuromerchandising group!




 
 

Über die Autorin

Autorin von ThinkNeuro! ist Olivia Shepherd. Innerhalb ihres Blogs beschäftigt sie sich mit nahezu allen Facetten des Neuromarketings, der Usability sowie der User Experience. Derzeit ist sie als Usability & UX Consultant bei einer Online-Agentur tätig.