Wer kennt das nicht? Man meckert mit dem Laptop, weil der nicht so will wie man selbst gerne möchte, man kichert beim Lesen einer SMS unkontrolliert in sein Smartphone hinein und beim Autofahren fluchen wir, weil uns jemand die Vorfahrt genommen hat. Wie wäre es, wenn diese Geräte bzw. das Auto unsere in diesem Moment durchlebten Emotionen und Gefühle erkennt, auf diese in real-time reagiert und dementsprechend mit uns interagiert? Undenkbar? Nicht unbedingt. Immerhin haben wir schon Spracherkennungssysteme wie Siri, die uns im Alltag unterstützen. Warum dann nicht noch einen Schritt weiter gehen und Technologien zur Emotinserkennung entwickeln?

Erste Technologien bereits entwickelt

Bereits jetzt gibt es viele Unternehmen, die an solche einer Technologie arbeiten. So hat beispielsweise die Firma Affectiva bereits eine Methode entwickelt, die anhand einer schlichten Webcam-Aufnahme erkennen kann, welche Emotionen wir gerade durchleben und wie wir uns somit fühlen (hierüber habe ich bei ThinkNeuro! auch schon einmal berichtet). Vereinzelt wird das auch schon in der Webeinindustrie getestet, wie zum Beispiel bei der Online-Präsenz von Forbes.

Emotionserkennung ermöglicht gezieltere Werbeplatzierung

Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Technologie auch zukünftig von immer mehr Unternehmen genutzt werden wird. Denn mit dieser können Werbetreibende dann noch gezielter Werbung platzieren. So wird es dann möglich sein, zu der jeweiligen Stimmung einer Person die passende Werbung einzublenden. Und das in real-time! Zwar kann man bereits jetzt mit fMRTs oder anderen Messverfahren erkennen, ob beispielsweise eine Werbeanzeige beim Betrachter Emotionen auslöst und der Nuccleus Accumbens aktiviert wird, allerdings ist es mit diesen Verfahren nicht möglich, direkt im Alltag, also in real-time, Emotionen und damit den Gefühlszustand einer Person zu erkennen und dann dementsprechend auch auf die Stimmung der Person einzugehen. Zeigt eine Person z.B. beim täglichen Surfen Emotionen und Gefühle von Traurigkeit, so könnten entsprechend aufheiternde Banner angezeigt werden. Doch natürlich ist die Emotionserkennung nicht nur auf die Bannerwerbung zu reduzieren. Auch die Autoindustrie ist daran interessiert. Wie das dann aussehen könnte, ist im unten stehenden Video zu sehen.

Geht die Werbeindustrie nun einen Schritt zu weit?

Für mich stellt sich abschließend die Frage: Sieht so also bald unsere Zukunft aus? Werden wir bald durchs Leben gehen und egal wo wir sind, wird es Technologien zur Emotioneserkennung geben? Ich meine, wollen wir das überhaupt? Wollen wir, dass Systeme auf unsere Gefühle eingehen und somit tief in unserer Inneres schauen, wobei das eigentliche Ziel dahinter ja nur die Werbeindustrie ist, welche hiermit Millionen, wenn nicht sogar Milliarden, verdienen wird. Und das nicht, weil sie sich für unser Wohlbefinden interessiert, sondern nur um den Absatz ihrer Produkte. Anderseits: Marketing ist Marketing und wird auch immer Marketing bleiben. Schon immer arbeitet diese Industrie daran, perfekt auf den Konsumenten abgestimmte Produkte und Werbeanzeigen zu entwickeln. Sei es mit den klassischen Befragungen oder mit Kenntnissen aus der Hirnforschung. Doch geht sie nun vielleicht doch einen Schritt zu weit? Was meint Ihr?

Quelle: www.fastcompany.com
Quelle Titelbild: Karlsruher Institut für Technologie



 
 

Über die Autorin

Autorin von ThinkNeuro! ist Olivia Shepherd. Innerhalb ihres Blogs beschäftigt sie sich mit nahezu allen Facetten des Neuromarketings, der Usability sowie der User Experience. Derzeit ist sie als Usability & UX Consultant bei einer Online-Agentur tätig.